Niemand rechnet mit einem Zusammenbruch. Selbst in extrem herausfordernden und leidvollen Situationen, die über einen längeren Zeitraum andauern und uns dazu zwingen, all unsere Energiereserven und Lösungskapazitäten vollständig zu erschöpfen, rechnen wir nicht damit, plötzlich einen Punkt zu erreichen, an dem wir nicht mehr richtig funktionieren. Auch ich habe so gedacht. Mir passiert das nicht. Bis es mir passiert ist.
Als ich im Winter 2013 in mir selbst zusammensackte wie ein Fallschirm nach der Landung, führte kein Weg mehr daran vorbei, die Bilanz meines bisherigen Lebens einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich war Mitte 30 und hatte mich in jeder Hinsicht vollständig verausgabt. Mir wurde schmerzlich bewusst, dass ich eigentlich gar kein Leben hatte. Zumindest lebte ich es nicht. Vielmehr wurde ich gelebt. Weit über meine Kräfte hinaus. Mein energetisches Minus stieß an den Punkt, an dem ich mich so sehr erschöpft hatte, dass es mich im Grunde gar nicht mehr gab. Das magere Abziehbildchen meiner Selbst, das mir morgens hilfesuchend aus dem Spiegel entgegenblickte, hatte nicht einmal mehr Ähnlichkeit mit mir. Wie ich es auch drehte und wendete: Ich konnte nicht mehr. Mein Verstand hatte das längst begriffen. Da ich aber nicht hören wollte, zog mein Körper eines Morgens die Reißleine. Nichts ging mehr. Ich war 35 und innerlich tot.


