Bewusstsein vs. Unterbewusstsein – der Ton macht die Musik. Aber wer gibt eigentlich den Ton an?
Klare Sache: das Unterbewusstsein. Es ist der stille und unterschätzte Star unseres Gehirns und macht den Großteil unserer Persönlichkeit aus. Die moderne Wissenschaft geht davon aus, dass uns lediglich 0,1 bis 10 % unserer Psyche wirklich bewusst sind – und dass, obwohl unser Bewusstsein gute 80 % der Gesamtenergie unseres Gehirns verschlingt. Das Unterbewusstsein steuert also zu 99,9 bis 90 % die Funktionen unseres Körpers und alles, was wir tun und denken. Moment mal! Dann wissen wir gar nicht, was wir tun? Die Antwort lädt zum Bewusstwerden ein: Wir sind nämlich so ziemlich die Letzten, die mitkriegen, wie uns unser Gehirn beeinflusst und was es damit bezweckt.
Was erstmal komisch klingt, ist schnell erklärt:
Wir treffen jeden Tag ca. 100.000 Entscheidungen. Die meisten davon müssen blitzschnell fallen, für die wenigsten haben wir Zeit. Um sich vor den Millionen von Eindrücken zu schützen, die jede Sekunde auf uns einprasseln, und einer Reizüberflutung vorzubeugen, schaltet das Gehirn so oft wie möglich auf Autopilot. Dann übernimmt das Unterbewusstsein gleich einem inneren Navigationssystem die Steuerung. Dieser Aufgabe wird es gerecht, indem es auf unzählige eigens hierfür angelegte Erinnerungen, Wahrnehmungen, Einstellungen, Konditionierungen, Handlungsbereitschaften sowie Gefühls- und Verhaltensprogramme zurückgreift. Ergo: Unseren bewussten Entscheidungen geht immer eine unbewusste Entscheidung voraus. Mit anderen Worten: Wir sind die Marionetten unseres Unterbewusstseins – selbst, wenn uns das völlig bewusst ist.
Sind wir unserem Unterbewusstsein hilflos ausgeliefert?
Nein! Nicht, wenn wir das nicht wollen. Mit Hilfe verschiedener Techniken und Methoden können wir unsere innere Festplatte überschreiben, und uns von unerwünschten Glaubenssätzen und Verhaltensmustern trennen. Hypnotherapie, Autogenes Training und Meditation eignen sich besonders gut dafür. Wir wissen heute zum Beispiel, dass Meditation nicht nur die Physiologie des Gehirns positiv verändert, sondern ebenso dessen Struktur und Architektur. Einfacher gesagt: Meditation richtet uns neu aus – in vielerlei Hinsicht. Vergleichbar mit den bunten Teilchen im Inneren eines Kaleidoskops, die sich jedes Mal neu zusammensetzen, wenn man ein bisschen daran dreht, verbindet, ordnet und gestaltet sich auch in unserem Inneren so manches neu, wenn wir uns in Meditation üben.
In der Meditation geht es ganz einfach darum, man selbst zu sein –
und sich allmählich darüber klar zu werden, wer das ist.
Jon Kabat-Zinn